News-Archiv November 2011

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„Milchmädchenrechnung“ wird das Bad Doberaner Kino nicht retten

Region Bad Doberan | 26.11.2011 - 17:42:03

Bad Doberan. Wird es das Kino in Bad Doberan weiterhin geben oder nicht? Es geht heiß her, bei der Diskussion zwischen Bürgern, Stadtvertretern, Stadtverwaltung und möglichen zukünftigen Betreibern. Wird es Fördermittel geben, soll ein Verein gegründet werden? Viele Ideen reifen derzeit und vielleicht zu spät, denn was aus dem Kino Kamp-Theater werden wird, steht noch immer in den Sternen. 
Alfred Mielke, derzeitiger Kinoinhaber, wird das Kamp-Theater am 14.12.2011 aus gesundheitlichen Gründen das letzte Mal betreiben. Er trat mit dem Vermieter des Kinos an jemanden heran, der wissen muss, wie ein Kino in einer Kleinstadt funktioniert: Peer Kretzschmar, Inhaber des Ostseekinos in Kühlungsborn. Er setzte rechtzeitig auf digitale 3D-Technik, das zahlt sich langfristig aus, denn es wird nicht mehr lange dauern, bis Kinos nur noch digitale Filme - und diese meistens in 3D abspielen.
„Bei der Umstellung auf digitale Projektion im Ostseekino Kühlungsborn gewonnenen Erfahrungen bilden eine solide Grundlage bei der Ermittlung der notwendigen Investitionen und eines langfristig tragbaren Umsetzungskonzeptes für den Betrieb des Kamp-Theaters in Bad Doberan“, so Peer Kretzschmar. 
Eine Investition in Digitaltechnik ohne 3D hält er für eine „Milchmädchenrechnung“, sie wäre zwar günstiger, aber längerfristig würden dem Kino die Gäste wegbleiben, da die Filmverleiher aktuelle Filme über kurz oder lang nur noch in 3D anbieten werden. „Es geht darum, ein modernes Kino für Bad Doberan zu installieren, um auch zukünftig den Bürgern und Gästen der Stadt Bad Doberan ein mit Rostock ebenbürtiges, nachhaltiges Kulturangebot zu sichern“, so Peer Kretzschmar.
 
Der Bad Doberaner Ortsverband der FDP vertritt die Idee, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. „Dieser kann eine Anschubfinanzierung für die notwendige digitale Umstellung spenden, wenn das Kino demnächst durch einen Verein geführt wird. Steuerlich bekommen die Spender zwischen 20 und 30% der Spende vom Finanzamt über die Steuererklärung zurückerstattet. Weiterhin kann für die Mitglieder des neu gegründeten Vereins ein Rabatt bei Eintrittskarten erfolgen, so dass über die Jahre keine Verluste für die Spender auftreten, das Kino aber gerettet wird“, meint der Ortsverbandsvorsitzende Harry Klink. 
Interessenten können sich mit Angabe der Höhe der Spende bei ihm per Mail harryklink@fdp-dbr.de wenden. 
 
Bild oben:
Schliesst das Kino „Kamp-Theater“ in der Bad Doberaner Severinstraße zum 15.12.2011?
Foto: Frank-Andreas Jütte


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Martin Dostal

Nur retten oder auch leben lassen?

Die Frage ist doch nicht allein: "Wie rette ich das Kino vor der Schließung?", sondern auch: "Wie locke ich mehr Besucher ins Kino?"

Würde das Kino rentabel laufen, stünden die Bewerber für einen Weiterbetrieb Schlange und könnte sich Alfred Mielke auch einen Verwalter leisten und selbst nur passiv, z. B. als Teilhaber zu Hause seiner Erholung und Genesung nachgehen, ohne sich um die Belange des Lichtspielhauses kümmern zu müssen.

Es läuft aber nicht rentabel und da sind Förderverein und Umrüstung nur die zwei nötigsten Voraussetzungen zur Kino-Rettung. Die Gedanken dazu sind gut und lobenswert aber ein Kino ist kein Museum, sondern ein Betrieb, der kaufen und verkaufen, sich dem Markt stellen und nach marktwirtschaftlichen Kriterien funktionieren muss. Dazu gehört eben, dass es Gewinne erwirtschaftet, die wieder investiert werden können.

Das wiederum bedingt höhere Besucherzahlen und hier muss man sich an seiner Konkurrenz in Rostock orientieren und herausfinden, wie man die Besucher am Besten dazu bringt, statt nach Rostock zu fahren, hier ins Kino zu gehen.

Man muss sich das Angebot an Filmen ansehen aber auch das Angebot im Shop, das eben nicht mit den großen Kinos mithalten kann. Man muss sich die Preise und Vergünstigungen ansehen und andererseits auch das Umfeld, das eben nicht mit Dingen glänzt, die man nach einem Kinobesuch noch mit Familie oder Freunden tun kann: Billard oder Dart spielen z.B., ein Bier trinken oder auf einen kleinen Snack irgendwo einkehren. Als Umland-Kino sollte auch die Parkplatzsituation bedacht werden: Wo parken die Kino-Besucher? Wie dicht ist das am Kino? Wie lange dürfen sie parken und was kostet es? Wie ist die ÖPNV-Anbindung? Ist der Weg dorthin im Dunkeln zumutbar?

Man kann Kinos auch ein Alleinstellungsmerkmal geben. In Bad Doberan war das schon über Aktionen, wie Vorträge oder kulinarisches Kino sehr gut umgesetzt. Das muss so bleiben und kann noch verbessert werden:

Das Kino als interaktive Ausstellung. Oder für musikbegleitete Dia-Vorführungen oder als Bühne für Konzerte. Oder auch das Kino mit Filmverleih im Haus (ein Verleih-Automat würde schon reichen).

Das sind meine Anreize für ein dann hoffentlich erfolgreiches Kino. Vielleicht nutzt man die Gelegenheit einmal für eine Umfrage: Was muss unser Kino bieten?

27.11.2011 - 14:15:29


 

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