News-Archiv Juni 2008

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Für ein besseres Bildungssystem! Schülerstreik am Doberaner Gymnasium

„Alles, was wir uns wünschen, ist eine gute Vorbereitung auf das Leben“ | Region Bad Doberan | 06.06.2008 - 22:52:32

Schülerstreik am Doberaner GymnasiumBad Doberan. Am Donnerstag, dem 12. Juni wollen die Schülerinnen und Schüler des Bad Doberaner Gymnasiums ihrem Ärger Luft machen: Ab 9.50 Uhr bis voraussichtlich 10.40 Uhr demonstrieren sie für ein besseres Bildungssystem in diesem Land. In einem Leserbrief  schreiben sie unter anderem:  „Keiner von uns hat weiterhin Lust, sich wie ein Versuchskaninchen zu fühlen. Wir werden auf die Straße gehen, um auf das aus unserer Sicht ungenügende Bildungssystem in Deutschland und auf unsere Lage aufmerksam zu machen.
Mit konkreten Forderungen setzen wir uns für eine bessere Schulpolitik ein: Wir alle sind gegen das G8-System* bei immer noch gleichen Stundenplänen. 
Wir wünschen uns Unterscheidungen zwischen Grund- und Leistungskursen sowie kleinere Klassen und Kurse. Für eine bessere Bildung sind mehr Lehrer oder zumindest mehr Lehrerstunden notwendig. Wir wehren uns gegen Kopfnoten - warum DDR-Verhältnisse wieder einführen?   
Wieso Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Leistung darstellen? Warum sollen subjektive Ansichten in Noten umgewandelt werden?
Alles, was wir uns wünschen, ist eine gute Vorbereitung auf das Leben. Die Voraussetzungen dafür sind unserer Meinung nach mit dem derzeitigen Bildungssystem nicht gegeben. Das wollen wir uns nicht länger gefallen lassen. Mit der Demonstration wollen wir die Öffentlichkeit auf unsere Probleme aufmerksam machen.“
 
Die Forderungen der Schülerinnen und Schüler im Einzelnen:
• Die Wiedereinführung des Abiturs in 13 Klassen und die Abschaffung des G8-Systems oder eine neue Anpassung des Lehrplanes, aufgrund der zu hohen Zahl an Wochenstunden und des zu starken Leistungsdruckes der auf den Schülern/Schülerinnen lastet. 
• Die Wiedereinführung von Grund- und Leistungskursen, mit der damit verbundenen Entstehung einer geringeren Schülerzahl pro Klasse, um so die individuelle Förderung der Schüler durch den Lehrer zu unterstützen. 
• Eine Aufstockung der Anzahl der Lehrkörper, um so schon in frühen Jahrgangsstufen eine geringere Anzahl der Schüler pro Klasse zu ermöglichen und auch hier schon die individuelle Förderung zu steigern. Dies unterstützt auch die Lehrkräfte in ihrem staatlichen Bildungsauftrag, da es ihnen so möglich ist, sich besser auf ihre Schülerinnen und Schüler zu konzentrieren und somit die Qualität des Unterrichts zu steigern. 
• Die Einstellung der Schulschließungen in ländlichen Gegenden, aufgrund zu geringer Schülerzahlen, da so die Anfahrtswege für Schülerinnen und Schüler zu lang werden und teilweise durch die Eltern getragen werden müssen, was zusätzlich eine soziale Auslese in der Bildung provoziert. 
• Die Förderung der Selbstständigkeit der Schüler im Unterricht, z.B. in Form von Mitgestaltung, praktischen Arbeiten und anderweitigen Projekten (Bsp. Waldorfschulen). 
• Die Abschaffung bzw. die Konkretisierung von zu umfangreich gefassten Kopfnoten, da sie im geforderten Umfang auch für die Lehrer innerhalb eines halben oder auch ganzen Schuljahres nicht beurteilbar sind. 
• Die individuelle Förderung von Schülerrinnen und Schülern durch z.B. kostenlose Nachhilfe an den Schulen durch die Lehrkräfte, da durch völlig überteuerte Nachhilfe außerhalb der Schule, welche  finanziell schwache Familien nicht tragen können erneut die soziale Auslese innerhalb der Bildung provoziert und unterstützt wird (Vorbild Skandinavien).
 
Auch in vielen anderen Städten Deutschlands soll für ein besseres Schulsystem protestiert werden. Man darf gespannt sein, wie die Politik darauf reagiert. 
 
*Was bedeutet G8-System? 
G8-System: Achtjähriges Gymnasium -> die Verkürzung der Schulzeit.
 
 


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Andreas Katz eMail

Jugendliche ernst nehmen

Der Bildungsminister und die Landtagsparteien täten gut daran, die protestierenden Jugendlichen ernst zu nehmen. Die ersten 12.Klasse-Abiturienten in M-V und die ersten Jahrgänge, die nach der viel kritisierten neuen Oberstufenordnung unterrichtet werden, schlagen - gemeinsam mit Leidtragenden ähnlicher Regelungen in anderen Bundesländern - nicht aus Langeweile oder Faulheit Alarm. Sie haben vielmehr die verheerende Wirkung dieser Reformen am eigenen Leib erfahren. Es ehrt sie, dass sie darüber hinaus grundsätzliche Reformen auch für die nachfolgenden Jahrgänge fordern und insbesondere die soziale Ungerechtigkeit eines Schulsystems anprangern, in dem Eltern individuelle Förderung teuer zu bezahlen haben und so Chancen mehr vom Geldbeutel der Eltern als von der eigenen Leistung abhängen. Als Bildungspolitiker bei Bündnis 90/Die Grünen kann ich auf unsere vielfach geäußerte gleichlautende Kritik an der Bildungspolitik in M-V verweisen. Wenn die Gymnasiasten, die noch zu den bevorzugten Teilnehmern unseres Schulsystem gehören, schon Alarm schlagen: wie groß muss da der Frust in anderen Schulen schon sein?

09.06.2008 - 13:18:12


 

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