News-Archiv September 2008
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Leserpost zum Thema Umgehungsstraße Bad Doberan: Viel Platz für politische Trittbrettfahrer
Region Bad Doberan | 11.09.2008 - 10:14:09
Demokratie ist Klasse, wenn sie funktioniert und dies passiert wirklich. Als bekannt wurde, dass die Planung einer Umgehungsstraße für Bad Doberan aktuell beginnt, fanden sich viele Bürger in einer Initiative „Zur Erhaltung des Bad Doberaner Umlandes“ zusammen. Sie einte ein gemeinsames Ziel, nämlich die wunderbare Moränenlandschaft mit ihren Hügeln, Seen, Feldern und Wäldern zu bewahren. Eine Straße quer durch geschützte Gebiete von Reddelich, am Quellental vorbei bis nach Parkentin würde die Landschaft grundlegend verändern. Die Begründung, dass Bad Doberan zuviel Verkehr hätte, ist nur z.T. richtig. Bad Doberan ist zu fast 70% Zielort des Autoverkehrs, d.h. nur 30% könnten theoretisch umgeleitet werden. Dafür eine ganze Naturlandschaft zu zerstören, ist schlichtweg nicht tragbar.
Die Initiative der Bürger aus den Umlandgemeinden führte auch zu politischen Beschlüssen in den Gemeindevertretungen. So lehnten alle demokratisch gewählten Parlamente in Reddelich, Retschow, Hohenfelde und sogar Bad Doberan den Bau der Umgehungsstraße mehrheitlich ab. Dieses Votum der Bürger zu ignorieren wäre fatal.
Um ihren Forderungen mehr Kraft zu verleihen, führte die Bürgerinitiative Unterschriftensammlungen durch und richtete einen Einspruch an den Petitionsausschuß des Bundestages. Weit über 3500 votierten in kurzer Zeit gegen die Umgehungsstraße. Aufgrund der großen Zahl der Widersprüche führte der Petitionsausschuß des Bundestages einen Vororttermin durch. Die Abgeordneten konnten sich bei einem Stadtrundgang und einer Exkursion zu den neuralgischen Punkten in der Umgebung, von der Schwere des Eingriffs in die Landschaft durch einen Straßenbau überzeugen. Die Verantwortlichen des Landesstraßenbauamtes erläuterten den potentiellen Verlauf und die Baumaßnahmen. So würde z.B. zwischen Althof und dem Bahnhof Althof eine zehn Meter hohe Brücke das Tal überspannen. Bei dieser Diskussion wurde auch der mögliche Kostenrahmen diskutiert, der sich jetzt schon von 22 Millionen auf über 30 Millionen verteuert hat. Bei einem möglichen Baubeginn in 6 bis 7 Jahren wäre sicherlich von dreifachen Summe auszugehen.
All diese Argumente führten bei den meisten Bundespolitikern zu der Einsicht, dass diese Trassenführung völlig fehl am Platz ist. Sicherlich braucht Bad Doberan eine ortsnahe verkehrliche Lösung, doch diese sollte intelligenter sein, als die Zerschneidung der Landschaft mittels einer Umgehungsstraße. Das Potential der Verkehrslenkung ist noch nicht ausgeschöpft, wie der Alexandrinenplatz zeigt.
Das Presseecho war groß und so wurden Politiker aller Farbschattierung aktiv. Alle lehnen die Umgehungsstraße durchweg ab, doch wo bleiben die notwendigen Anträge in den Parlamenten? Nur reden bringt nichts. Liebe Landespolitiker, bringt im Landtag einen Antrag auf Streichung der Umgehungsstraße aus dem Bundesverkehsplan ein, setzt euch für den Erhalt des schönen Bad Doberaner Umlandes ein, werdet aktiv. Es ist also viel Platz für politische Trittbrettfahrer und die Bürgerinitiative ist dankbar für jeden Mitstreiter.
Dr. Michael Giersberg
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