News-Archiv Februar 2008
Das Ende der Kunststätte Roter Pavillon: Ausstellungsraum zu eng für das Abschiedspublikum
Region Bad Doberan | 28.02.2008 - 10:34:18
Bad Doberan. Zweifach Abschied zu nehmen galt es Mitte Februar auf dem Kamp: Vom Maler und Grafiker Ludwig Bonitz und vom Roten Pavillon. Der Todestag des beliebten Lehrers der Heilgendammer Kunstschule jährte sich am Tag darauf zum ersten Mal. Der zentralen Kunststätte der Stadt höchstwahrscheinlich letztes Stündlein wurde zugleich eingeläutet. ...
Anlass war die Eröffnung einer außergewöhnlichen Ausstellung zu Ehren und Gedenken eines Dozenten der einstigen Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm, eines der beliebtesten obendrein. Die Kunde zog Gäste an, mehr als das Achteckgebäude, 200 Jahre nach seinem Baubeginn, aufnehmen konnte.
Vor der Tür drängte sich eine Traube von Menschen, für die sich im Inneren kein Platz mehr fand.
Selbst Bürgermeister Hartmut Polzin hatte sich bescheiden unters Abschiedspublikum gemischt, wusste ihnen zum Doppelereignis jedoch nichts zu sagen.
Ludwig Bonitz hätte sich gefreut, wenn er persönlich alle seine Freunde und Kollegen hier hätte sehen können, leitete Galerie-Chefin Monika Schneider die Veranstaltung ein. Auch ihr Abschied von dem Haus, dessen Geschicke sie über sieben Jahre leitete und dabei trotz mancher Schwierigkeit bemerkenswerte Ausstellungen auf die Beine stellte, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Eine neue Aufgabe wartete mit Monatsbeginn auf sie. Dank für ihr Wirken drückte die Vorsitzende des Kunstvereins Ulla Golombek der Leiterin aus, nicht nur mit Blumen - auch mit Tränen in den Augen über den Verlust von Kunsthaus und Hüterin, für die vielen Stunden, die Monika Schneider im Pavillon verbrachte, die Bonitz-Schau - und die vielen zuvor auch - vorzubereiten. Die letzte Ausstellung soll noch bis 15. März zu sehen sein. Eine der schönsten seit langem, meint Monika Schneider, auch weil sie Bonitz - auf Fotos - noch einmal persönlich zeigt.
Eine gute Bekannte Bonitz', Prof. Hanka Pollehn, schilderte Leben, Schaffen, Persönlichkeit und nicht zuletzt die Bedeutung ihres einstigen Kollegen für Heiligendamms Schüler und Dozenten mit bewegenden Worten. Auf Kuba, der von ihm geliebten Insel, auf die er mehrmals und gern reiste, sammelte er mit Leidenschaft Steine, mehr als er mit nach Hause bringen konnte, auf Kuba zeichnete und malte er, ist er gestorben. Bilder - darunter auch letzte Zeichnungen von Havanna und Pinar del Rio. Dem Thema Kuba ist eine der Wände im Pavillon gewidmet, auch zwei Seiten eines Katalogs, den Hanka Pollehn - auch Mitgestalterin der Ausstellung - gestaltete.
Die Katalogrückseite ist Doberan gewidmet. Sie zeigt die Ausstellungsstätte. Hier habe Bonitz - auch mit Studenten - so manche Ausstellung besucht.
Architekt und Baumeister des als Erfrischungslokal für adlige und später auch gut betuchte Badegäste gebaute Pavillons war kein Geringerer als Carl Theodor Severin, Schöpfer des "weißen Doberan" und berühmteste aller Doberaner. Der Pavillon übersteht garantiert die derzeitige gähnende Leere im Stadtbeutel. Das "leichte Gebäude in der Form eines Trichters" hat schon manches überlebt, diente als städtische Leihbibliothek, aber auch als ungeziemer Ort.
Als eine Einrichtung zur Förderung junger Künstler war das für 600 000 Mark restaurierte Kleinod am 8. Juni 1995 dem Kunstverein übergeben worden. Sie diente auch als reizvolle Stätte der Begegnung und Auseinandersetzung mit der Kunst sowie für kulturelle Veranstaltungen. An den Kosten war u.a. eine Familienspende der Familie von Maltzan beteiligt.
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