News-Archiv September 2009

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Grundwasser mit Nitraten belastet

Region Bad Doberan | 27.09.2009 - 09:02:26

Bad Doberan. 104 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz bei ihren Messungen im August in einem privat genutzten Brunnen in Wittenbeck. Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen. Weitere erhöhte Nitratbelastungen stellten die Gewässerschützer auch in Kröpelin mit 86 Milligramm fest. Insgesamt wurden 20 privat genutzte Brunnen im Raum Kühlungsborn untersucht. In fast einem Drittel der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm pro Liter. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung darf auch der ökologische nicht vernachlässigt werden. Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann zur Ostsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung. Was dort im Großen auffällt, können schon viele Gartenteichbesitzer im Kleinen beobachten. Sobald das belastete Grundwasser in ein stehendes Gewässer geleitet wird, führt es dort schon bei 25 Milligramm pro Liter zu einem enormen Algen- und Pflanzenwachstum. In der Hälfte der Brunnen wurde dieser ökologischen Wert schon überschritten.
 
„Wasser ist ein Allgemeingut und jede Verschmutzung muss unbedingt unterbunden werden. Es ist nicht hinzunehmen, dass Bürger ihre Brunnen nicht mehr nutzen können, die Agrarindustrie aber weiterhin das Grundwasser weiträumig vergiftet,“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende der Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz. „Seit Jahrzehnten sind die Grundwasserprobleme bekannt, aber die verantwortlichen Politiker schaffen immer noch keine Rahmenbedingungen um unseren Nachkommen eine sichere Trinkwasserversorgung zu gewährleisten.“ Der durch die Gesetze und Richtlinien und teilweise auch durch Kooperationsvereinbarungen zwischen Wasser- und Landwirtschaft festgelegte lokale Grundwasserschutz in den Einzugsgebieten der öffentlichen Trinkwasserversorgung reicht nicht aus. Das Grundwasser muss überall geschützt werden.
 
Die Gewässerschützer werden weitere Messungen durchführen. So wird das Labormobil vom VSR-Gewässerschutz am Mittwoch, den 30. September auf dem Marktplatz in Wismar halten. Private Brunnennutzer können dort von 9 bis 11 Uhr Wasserproben abgeben. Die Grunduntersuchung auf den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt wird dann vor Ort durchgeführt, sodass der Bürger schon gegen Ende der Aktion sein Ergebnis wieder abholen kann. Für diese Untersuchung haben die Umweltschützer die Kostenbeteiligung der Brunnennutzer diesmal auf 12 Euro gesenkt. Außer der angebotenen Grunduntersuchung können auch coliforme Keime, halogenhaltige Pestizide und Schwermetalle wie Uran gegen Übernahme der Kosten bestimmt werden. Da diese Analysen jedoch mehr Zeit benötigen, werden die Ergebnisse dann per Post zugesandt. Bürger, die sich an den Untersuchungen beteiligen möchten, aber nicht nach Wismar fahren können, sollten sich an der Hotline der Umweltschützer wenden. Diese steht immer Freitag Vormittags unter der Rufnummer 02831 976523 den Brunnenbesitzern zur Verfügung. Weitere Informationen können auch der Internet-Seite www.VSR-Gewaesserschutz.de entnommen werden.
 
Ursachen der Nitratbelastung
Nitrat ist ein Bestandteil vieler Dünger in der Landwirtschaft und Gartenbau. Wurde zu stark oder zum falschen Zeitpunkt gedüngt, kommt es zu einer verstärkten Auswaschung und somit zu höheren Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Besonders gefährdet ist das Wasser in Bereichen mit intensiven Sonderkulturen. Durch den Einsatz mineralischer Stickstoffdünger kann es zu einer Verlagerung des Luftstickstoffs in die Böden und grundwasserführenden Schichten kommen. Besondere Probleme entstehen oft auch durch Massentierhaltungen. Da diese selbst über eine zu geringe Anbaufläche für Futtermittel verfügen, kann die in der Gülle anfallende Stickstoffmenge nicht sinnvoll verwendet werden und muss über die Felder entsorgt werden Der Nitratgehalt steigt somit über das für die Region normale Maß an. Im ökologischen Landbau findet keine so große Auswaschung ins Grundwasser statt, da keine Mineraldünger benutzt und die Felder nachhaltig bewirtschaftet werden. „Solange keine Trendumkehr bei der gegenwärtigen Düngungspraxis vollzogen wird, ist in Bezug auf den Nitratgehalt des Grundwassers mindestens mit einer gleich bleibenden, oder sogar mit einer weiter zunehmenden Belastung zu rechnen.“ so der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU) in ihrem Umweltgutachten 2004.


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