Martin Dostal  |
Wach bleiben!
Herr oder Frau Schmidt: Ich denke in solchen Situationen immer "Wer mit dem Finger auf einen anderen zeigt, der richtet drei Finger auf sich selbst".
Indem Herr Lex Ämtern, Behörden und Wirtschaftsbetrieben solche Arbeitsweisen unterstellt muss er zumindest erst einmal genau über sie Bescheid wissen. Entweder sind das also Methoden, mit denen er sich täglich privat in irgend einer Form beschäftigt oder eben beruflich. Ich kann mir Herr Lex als Richter gar nicht vorstellen, denn seine anmaßende Art und besonders die absolut fehlende Neutralität in seinem Amt als SV-Vorsteher passen nicht mit dem Beruf eines Richters zusammen. Entweder gibt er sich hier ganz anders, um eine politische Karriere machen zu können oder der Richter ist nur eine Rolle in seinem Leben. Bisher ging die SVV mit Stadtvertretervorstehern nicht gerade zimperlich um. Das sollte kein Stadtvertretervorsteher vergessen. Eigentlich ist Herr Lex m. E. nicht der richtige Mann für solche demokratischen Ämter aber sie Stadtvertreter müssen schließlich mit ihm leben und sie sind ja nicht dazu verdammt, sondern haben Möglichkeiten.
Und zum zweiten Kommentar:
Ich finde es auch unmöglich, sich um vertraglich festgelegte, demokratisch beschlossene und rechtsgültig umzusetzende Beschlüsse zu streiten. Nach jeder Konstitution der Stadtvertreteversammlung hat der Bürgerbund nichts konstruktives zu tun und bringt Beschlussvorlagen ein, die seinen Wahlversprechen gut tun und der Stadt schaden sollen. 2004 wollte er zusammen mit der FDP einen freien Wanderweg, zog aber in letzter Minute den Schwanz ein und 2009 geht es im Prinzip um genau dieselbe Lokation, nur anders gerum aufgerollt.
Im Falle von Heiligendamm ist es besser, nicht zu schlafen, sondern sich alle Seiten aufmerksam anzuhören und erst nachdem man alle Seiten (also auch die ECH und das GHH - das vergessen gewisse Reporter immer gern) gehört hat, sich daraus eine Meinung zu bilden.
Ein öffentlicher Weg durch den Hotelpark entlang der Küstenkante wäre schön, ist aber vertraglich nicht vereinbart und damit nicht erzwingbar. Für mich ist es befremdlich, nach 13 Jahren anzukommen und den Vertrag neu schreiben zu wollen. Investitionen brauchen Planungssicherheit. Es muss schon bevor der erste Cent fließt klar sein, wie die Voraussetzungen für die Investitionen geschaffen und gehalten werden, wie sie unterstützt und bei Bedarf erweitert werden. Nicht umsonst verbietet der Gesetzgeber die nachträgliche einseitige Änderung von Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen: Wenn jede neu gewählte SVV daher kommen und diese Verträge nach Belieben ändern könnte, würden Investoren in Deutschland reihenweise ruiniert werden, nur weil Politiker ihren Wählern Dinge versprochen haben, die entgegen aller vorherigen demokratischen und rechtskräftigen Entscheidungen stehen. Darum können wir uns den Weg entlang der Küstenkante herbei sehnen, wie wir wollen: Er kann nicht realisiert werden, ohne Vertrag, Recht und Gesetz zu brechen.
Einzige Ausnahme: Alle Beteiligten wollen diesen Weg. Wollen sie aber nicht: Die Stadt hat mit der ECH ein Grundstück getauscht: Die Promenade ab der Ecke Haus "Mecklenburg" bis zum Rettungsturm ging an die ECH und dafür ging der Seebrückenvorplatz von der Zaunecke der Perlenkette bis zum Zaun des Grand Hotels an die Stadt. Ohne diesen Tausch hätten wir zwar einen Weg zum Kleinen Wohld aber dafür keinen Platz vor der Seebrücke. Im Kleinen Wohld aber hatten TLG/OFin 1997 das Grundstück vom Waldrand bis kurz hinter das Alexandrinencottage, sowie vom Weg hinter den beiden anderen Cottages bis zur Uferkante an die ECH verkauft. Die ECH konnte nicht sagen "Wir wollen dies und das nicht haben" - alles oder nichts.
Die Stadt Bad Doberan häte einen Streifen entlang der Küstenkante kaufen und einen öffentlichen Weg darüber ziehen können. Die Stadt Rerik hat dies getan und darum kann man dort an der Steilküste entlang wandern. Die Stadt Bad Doberan tat es nicht und darum kann man in Heiligendamm erst ab dem Strandabgang Liegnitzsteg an der Küste entlang wandern. Das ist immer noch besser, als gar nichts. Ursprünglich war übrigens vorgesehen, den Kurwald an der Kühlungsborner Straße als Hotelpark zu nehmen und den Kleinen Wohld bis zum Liegnitzsteg als Kurwald zu machen aber die Stadt befürchtete Protest, wenn die ECH den Wald an der Kühlungsborner Straße umzäunt. Nun hat sie den Protest weiter westlich: Wäre also auch egal gewesen. Nun ist es aber zu spät.
Die Stadt wusste, dass es mit einem Streifen von ca. 10x800 Metern auf der Küstenkante nicht getan ist. Die ca. 800 Meter sind eine bleibende Größe aber 10 Meter Küstenoberkante können bei der nächsten Flut schon ins Wasser gefallen sein. Die Stadt wäre also auch noch dafür zuständig gewesen, ihren Streifen Küstenkante zusammen mit StAUN, UNB und Forstamt schützen. Konnte und kann Bad Doberan das?
Diese Fakten verschweigen all jene, die für einen nicht machbaren Weg durch den Wald kämpfen. Die ECH und auch der Bürgermeister hatten schon vor Jahren angedeutet, dass eine Lösung in Sicht ist. Man würde den Steg verlängern, verbreitern und an den Strandabgang heran ziehen, um die Stufen zu vermeiden und so behindertengerecht zu sein. Quasi würde man den Steg neu bauen. Ganz ursprünglich war ja sogar eine Fortführung des Mauerwwalls nach Westen angedacht. Die ECH hatte damals schon sehr genaue Vorstellungen und signalisierte auch, finanziell dabei zu sein. Dann aber brachen Bürgerbund und FDP den Streit vom Zaun, es gab sogar Klagen von mehreren Bürgern um Herrn Klink für einen freien Wanderweg und während die Beteiligten sich stritten, saß die ECH mit den Plänen dort und wunderte sich. Solange um den Weg durch den Wald gestritten wird, kann niemand den Steg verlängern und verbreitern. Indem also das Thema "Weg durch den Hotelpark" immer wieder hervor geholt wird, wird eine Lösung in Form des Ausbaus der Alternative immer weiter in die Ferne geschoben. Für einige Gegner mag das gerade recht sein, denn damit bleibt ihnen Konfliktstoff erhalten.
Tatsache ist: Wenn die Stadt und ihre Bürger sich nicht hinter das Projekt stellen, gibt es keine Planungssicherheit und keine Entspannung in Heiligendamm. Und wo das nicht gegeben ist, wird es keine weiteren Investitionen geben - weder durch die ECH, noch durch die ersehnten Einzelinvestoren. Keiner tut sich das Hü und Hott der SVV an. Die Median-Klinik hat das durch, die ECH macht es durch - dieselbe Story seit 19 Jahren. Das spricht sich herum und wenn wir uns unser nur zu einem Viertel belegtes Gewerbegebiet, den versprochenen aber leeren Kammerhof, die leeren Hallen am Walkmüller Holz und die nicht wachsen wollenden Wohngebiete ansehen sollte uns klar werden, dass hier irgend etwas mächtig schief läuft.
Wir brauchen klare Bekenntnisse - in dem Fall für Heiligendamm. Die CDU hat sich zu so einem Bekenntnis durchgerungen und das sind die Zeichen, die unsere Stadt braucht.
Heiligendamm war nie das, was es mal war. Nirgendwo in Mecklenburg hat sich ein Ort so entwickelt, wie in Heiligendamm und Bad Doberan. Die Höhen und Tiefen, die haarscharfen Rettungen in letzter Sekunde - das sich ständig ändernde Gesicht - DAS ist Heiligendamm.
Wann ist "einmal"? Das Heiligendamm, wie es vor Jahren einmal war, war ein Ort, der nur auf das Sanatorium ausgerichtet war: Sprichwörtlich in jeder Besenkammer standen Betten: Jeder Hausbauer plante gleich Zimmer für das Sanatorium mit ein. Sogar in Börgerende und Kühlungsborn kamen Kurpatienten unter. Die Geschäfte im Ort waren auf das Sanatorium ausgelegt, die Gastronomie lebte im Winter nur von den Patienten und den Einheimischen. Massentourismus kannte Heiligendamm kaum - die Massen kamen, fuhren hindurch und waren weg. Es reichte, es überforderte den Ort sogar und es war nie geplant, Massentourismus anzuziehen. Der kam erst seit 2003 zum Gucken und später auch Urlauben.
Oder ist "einmal" noch früher zurück? Da war Heiligendamm eine Flüchtlings- und Garnisionsstadt, davor ein Lazarett, davor ein Ferienheim der KdF-Ferienorganisation, das zehntausende von Gäste pro Jahr anlockte, die sich im Wochentakt die Klinke in die Hand gaben.
Oder ist das Heiligendamm der Goldenen Zwanziger gemeint?
Das Heiligendamm der Reichen und Schönen, der Prominenz und der Staatsgrößen, wie Hitler und Mussolini - das Heiligendamm, wo jedes Haus seinen Zaun drum hatte, wo Generäle und Rüstungsindustrielle an der Seedeichstraße ihre Sommerhäuser hatten, wo das einfache Volk in Heiligendamm nur arbeitete, nicht aber wohnte und wo das Grand Hotel wie heute ein Luxushotel war?
Oder ist mit "früher einmal" das ursprüngliche Heiligendamm gemeint? Die Sommerresidenz der Herzöge und Adeligen, der abgeschottete Badeort des Hochadels, in dem jeder einfache Bürger nur dort war, um Koffer zu schleppen, Schuhe zu putzen, Kutschen zu fahren oder Kleider festzuhalten? Das ursprüngliche Heiligendamm kennt kein einfaches Volk und wenn, dann zur Arbeit für kargen Lohn. Ein von Vogel gebautes Armenkrankenhaus wurde einfach abgerissen und in der dritten Reihe kleiner neu errichtet. Der Zustand war so erbärmlich, dass nicht einmal das MRK (Rotes Kreuz) es kaufen wollte. Man strich kurzerhand Vogels Auflagen aus dem Grundbuch, quartierte die Mittellosen um und verkaufte das Haus zu Wohnzwecken. Die grandiosen Zeiten erlebte Heiligendamm in eben dieser Epoche der Dreiklassengesellschaft. Wollen wir DAS wiederhaben?
Heiligendamm kann nicht sein, was es war, weil die Zeiten sich ändern. Nach Herzögen und Baronen, Gesellschaftern und Armeen, nach Sozialversicherungsanstalten und privaten Unternehmen, nach der Idee des Landes, Heiligendamm einfach abzureißen und Bäume drauf zu pflanzen, nach gescheiterten Verhandlungen (u. a,. mit einem kanadischen Unternehmen, das das Ensemble nur kaufen wollte, wenn es auch den Strand bekommt und absperren darf) haben nun ein paar tausend Anleger das Sagen. Sie haben Millionen gegeben, haben Arbeitsplätze geschaffen und sie bestimmen, wann und wie lange noch wieviel Geld fließt. Das Grand Hotel ist keine karikative Einrichtung. Wer im Kapitalismus eine soziale Insel sucht, muss lange schwimmen können. Das Grand Hotel ist ein Wirtschaftsbetrieb, der sich gegen knallharte internationale Konkurrenz behaupten muss. Wer da mithalten kann, bleibt und wer nicht, der geht. Das ist in jeden Callcenter so, in jedem Supermarkt und in jedem Autohaus. So funktioniert nun einmal Marktwirtschaft, so funktioniert Kapitalismus und so funktioniert unser Land. Willkommen in der Wirklichkeit! Nehmen Sie es hin, liebe Frau Wenzel oder ändern Sie es, indem Sie sich einbringen und protestieren oder besser noch: kandidieren. 1989 hat es uns doch bewiesen, dass es geht.
Die Ostseeklinik hat ihre Mitarbeiter mit in die Medianklinik genommen. Der Rest verließ Heiligendamm, was zum Ausbluten und schließlich auch dazu führte, dass viele Geschäfte pleite gingen. Mit dem Grand Hotel sind fast doppelt so viele Arbeitsplätze entstanden, wie Heiligendamm 1997 vorweisen konnte. Heute hat Heiligendamm mehr Arbeitsplätze als Einwohner und mit der Sanierung der Perlenkette würden 41 Wohneinheiten hinzu kommen, die auch versorgt werden müssen, die auch SPA und Fitness nutzen, in die Restaurants essen gehen und in Bad Doberan und Kühlungsborn einkaufen werden. Appartments und Villen würden entstehen, dürfen aber - so ist es vereinbart - erst nach der Sanierung der Perlenkette in Angriff genommen werden. Das alles bringt Steuergelder, Kurtaxe (über 60.000 Euro pro Jahr heute schon und nur allein das Grand Hotel), das bringt Aufträge, die wieder Steuergelder bringen, die Arbeitsplätze erhalten und auch neue schaffen könnten, das bringt Parkeinnahmen, Eintrittserlöse, bringt den Frischemarkt zum Laufen - gut, verstopft auch die Straßen noch mehr aber dafür lohnt es sich. Man muss auch über den Tellerrand hinaus blicken. Hadern bringt uns nicht weiter. Klar: Der Investor hat viel versprochen. Einen Teil hat er umgesetzt, ein anderer wartet auf die Stadtvertreter und wann der dritte und vierte Teil kommt, können wir alle nicht abschätzen. Man muss aber auch die Wahrheit sagen und kann nicht daher kommen und sagen, dass die ECH oder FUNDUS gar nicht weiter machen wollen. Sie haben Millionen investiert und auch die Vorbereitung der Sanierung der Perlenkette - von der Broschüre bis zur letzten Glühbirne kostet es Millionen - haben bereits viel Geld gekostet. Baumappen sind gedruckt, Termine mit Interessenten waren abgesprochen, Modelle wurden angefertigt, Präsentationen vorbereitet - alles nur zum Spaß? Das kann nicht der Ernst derer sein, die das behaupten. Genau das tar aber der Bürgerbund in seiner Wahlwerbung.
Die Bereitschaft zu Investitionen ist gesunken, die Anleger verstehen nicht, warum es in Heiligendamm nicht weiter geht. Es leuchtet nicht ein, warum die Stadt weitere Investitionen blockiert, warum sie weitere Arbeitsplätze verhindert, warum sie die Sanierung verfallener Gebäude stoppt, warum sie nach der Hälfte des Weges hadert und am liebsten umkehren und alles ungeschehen machen will. Die Anleger wissen nicht, dass diese Dinge durch einige wenige aber gewichtige zu Stande kamen. Wer aber soll es ihnen sagen, wenn schon die Bürger dieser Stadt hadern und ihr Auge auf das Grau richten und das Weiß nicht sehen wollen, wenn sie Verträge nicht wahrnehmen, Gesetze nicht beachten, Tatsachen ignorieren wollen?
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
04.11.2009 - 11:08:41
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